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Gut Ising im Wandel der Zeit

Lange vor der Zeitrechnung kamen Menschen aus dem eisigen Norden in den freundlicheren Süden. Besonders die Kelten waren von der Landschaft um den See, der heute das „Bayerische Meer“ genannt wird, begeistert. Einer ihrer Stämme, die Noren, beschloß sich hier anzusiedeln, dadurch entstand nach und nach das legendäre Königreich Norikum. Die berühmten Keltenschanzen rund um Ising sowie die Kult- und Opferstätte im nahen Seebruck erinnern an die ersten Bewohner der Isinger Region.

15 vor Christus eroberten römische Legionen die Siedlungen rund um den Chiemsee und das Norikum wurde zur römischen Provinz erklärt. Das Land wurde durch Straßen erschlossen. Die Heerstraße, die den Atlantik mit dem Schwarzen Meer verband, führte u.a. von Augsburg nach Salzburg direkt an Ising vorbei. Das römische Landgut mit den Namen „Villa Osingia“ war damals schon der ersehnte und gastfreundliche Platz für all die Wanderer, Händler und Kuriere die diese Straße nutzten.

Wallfahrten zur „Mondsichelmadonna“ - Legende und Tradition

Das Gut Ising wird weit erkennbar von der 1384 erbauten Kirche Mariae Himmelfahrt überragt. Noch heute hat das Gotteshaus den einfachen spätgotischen Stil des späten 14. Jahrhundert. Der Zwiebelturm verrät, dass später der Barock seinen Einfluß geübt hat und drinnen wird der Besucher durch schönste Rokoko-Stukkatur überrascht.

Der Legende nach sollte in Fehling das morsch gewordene Holzkirchlein durch einen Steinbau ersetzt werden. Während der Bauarbeiten wurde ein Arbeiter schwer verletzt. Ein Vogel trug einen der blutigen Holzspäne auf die Anhöhe von Ising hinüber. Als Gotteszeichen angesehen, wurde an dieser Stelledie neue Steinkirche errichtet.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erlebte die Wallfahrt nach Ising einen großen Aufschwung. Dank zahlreicher Stiftungen war zu diesem Zeitpunkt das Gnadenbild der heiligen Gottesmutter mit Kind direkt gegenüber dem Kirchenportal auf den Hochaltar versetzt worden. Diese spätgotische „Mondsichelmadonna“, die ein unbekannter Meister im 15. Jahrhundert schuf, wurde damit Zentrum und Anziehungspunkt der Kirche Mariae Himmelfahrt. Zahlreiche Votivtafeln zeugen von der Blütezeit der Wallfahrt nach Ising während des 18. Jahrhunderts.

Bis heute ist die Wallfahrttradition in Ising nicht mehr abgerissen und Chiemseer Gemeinden pilgern jährlich an festgelegten Tagen zur „Gottes Muetter Maria Yßing“.

Ising und der königliche Traum vom Herrenchiemsee

In der wechselvollen Isinger Geschichte, vom römischen Staatsgut bis zum heutigen Luxushotel, gab es den sich ändernden Gesellschaftsverhältnissen entsprechend Höhen und Tiefen, Zerstörungen und Wiederaufbau, kirchliche und weltliche Herren, marodierende Landsknechte und fromme Pilger. Als Märchenkönig Ludwig auf der Insel Herrenchiemsee sein Prunkschloß baute, wurde 1879 in Ising eine Ziegelei errichtet aus der die benötigten Ziegel geliefert wurden.

Da der arrivierte Bürger nicht zurückstehen wollte, entstand Ende des 19. Jahrhunderts dann auch das Isinger „Schloß“. Kein historischer Bau also, sondern die Umformung eines alten Herrenhauses, immerhin nach einem Entwurf des Münchner Kunstmalers Buschbeck. Prächtig ausgestattet wurde das Schloß Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens der Münchner Gesellschaft. Dann schlug 1923 der Blitz ein und die ganze Herrlichkeit versank in Schutt und Asche.

Erst 10 Jahre später erwarben die heutigen Besitzer, Familie Witt-Magalow, das Anwesen und renovierten Schloß und Gut mit viel Geschmack. Zu Kriegsende 1945 kamen erst die Flüchtlinge, dann die amerikanischen Einheiten. Nach neuerlichen schwierigen Aufbauarbeiten ist das Schloß nun seit 1953 Gymnasium und Internat für junge Menschen aus allen Teilen der Welt geworden.